"ISOLATOR NETZEN" e.V.

SIMSONFREUNDE

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Die Bretter, die die Welt bedeuten

In diesem Jahr stand der Verein vor einer neuen Herausforderung. Vom Film flatterte die Anfrage in unseren Mail-Briefkasten, ob wir nicht bei einer Produktion mit unseren Maschinen unterstützen könnten.

Was für ein Aufruhr unter den Jungs. Ein Jeder sah sich schon in einer Hauptrolle, um so auf ewig an die Leinwand geworfen, die Zuschauer begeistern zu können. Unsere Kaskadeure übten schon einmal die Ungarische Post auf ihren Mopeds. Das ist wo ganz, ganz früher ein Reiter auf zwei Pferden stehend durch die Steppe fegte um Nachrichten zu überbringen. Zuverlässig war die Post nicht aber schnell. Es waren alle etwas aufgedreht und ich möchte nicht wissen, wer zu Hause heimlich vorm Spiegel ein übte, in Wort und Körpersprache!?
Vom Film besuchte uns Paola beim Simson-Treffen und bestaunte all die Fahrzeuge.
Schnell kam man überein, wir sind dabei. Wichtig war uns aber, dass es eine nachhaltige Produktion ist, mit regionalem Bezug. Wir sind ja alle etwas Öko.
Soviel kann verraten werden, ohne irgendwelche Rechte zu verletzen, es ist eine Produktion des staatlichen Zentralen Deutschen Fernsehens (kurz ZDF) und spielt im Herzen von Brandenburg.

Wer nun glaubt beim Film ist alles bis auf den I-Punkt organsiert, wurde schnell geheilt.
Ständig änderten sich Drehort, Zeit und der Umfang der gewünschten Fahrzeuge. Jeden Tag gab es Anfragen der „Möchtegernstars“, die man auch schon mal mit „Flunkerei“ beantworten musste, um etwas Ruhe in die Bande zu bekommen.
Dann wurde es konkret und wir brachen am 3. August zum Trebelsee auf.
Hier wurde eine Beachparty-Szene abgedreht, bei der wir eigentlich nur unsere Mopeds als statische Objekte abstellen sollten. Ich weiß nicht, entweder sahen wir alle so toll aus oder seitens der Requisite hatte man vergessen genügend Statisten zu ordern. Auf jeden Fall waren wir mitten im Geschehen und wurden alle in eine Nebenrolle eingebunden. Und eins ist unglaublich, was später im Film wahrscheinlich nur eine Minute zu sehen ist, wurde immer und immer wieder neu abgedreht.

Sehr zum Ärger unserer jungen Garde, durften die Knutsch- und Fummelszenen nur von staatlich geprüften Darstellern vorgenommen werden. Das ist wohl auch eine Art Arbeitsschutz. Ganz ehrlich, wenn unser großer weißer Mann die Hauptdarstellerin in einer romantischen Szene nur leicht an sich gepresst hätte, das arme 65 kg schwere Geschöpf wäre in seinen Armen geborsten und der Film wäre nie in die Kinos gekommen. Was jedenfalls die Krönung war, die ehrenamtliche Arbeitszeit von 16:32 Uhr bis 02:06 Uhr. Da kochten auch etwas die Gemüter hoch, da wir alle nur zu einer 2 stündigen Strandszene bestellt waren. Mit unserer leichten Sommerbekleidung wurde es gegen Abend ganz schön kalt uns so manches Körperteil verkroch sich in den wärmenden Schoss.

Die Pausenverpflegung war dagegen eine Erlebnisreise für unseren Gaumen (für ungeübte Leser – Horror). Etwas fremdschämen musste man sich schon über die Etikette am Buffet. Es soll ja Leute geben die essen nur von Buffetplatten, somit reichte die Größe der Teller vor Ort nicht aus. Aber, schnell flogen wir auf und wurden an den Suppentopf für die Komparsen verwiesen. Somit blieben Lachs und Schnittchen für die Crem des Films über. Da wir aber den Caterer mit dem „Goldenen Band des Hotel- und Gaststättengewerbes“ dabei hatten, begann eine intensive Begutachtung der angebotenen Speisen. Er war kurz davor die Nummer des Amtsarztes zu wählen, da passierte es. Ich mach es kurz. Das Drehbuch wurde kurzerhand umgeschrieben, eine Horde Indianer ritt auf dem Platz vor, schnappte sich unseren Gourmetexperten und wir haben ihn nie wieder gesehen. Doch!!!, eine Postkarte aus Nordamerika erreichte uns mit vielen Grüßen von ihm und seiner neuen 300 köpfigen Familie, die alle in der Steppe mit Silberbesteck dinieren. Es ist zwar traurig aber für mich als Statistiker steigt somit die Mitgliederzahl um 300 und wir haben unsere erste Auslandsvertretung. Opfer muss jeder bringen, getreu dem Schlachtruf „Alles für den Club“.

Wie so oft im Leben, die Medaille hat zwei Seiten, so auch hier beim Film und das war der zweite Termin am 16. August in Falkensee. Für diesen Termin gingen wir an die Grenzen des Möglichen, da 20 Mopeds benötigt wurden. Aber, wir habe es geschafft. Hier noch einmal recht herzlichen Dank an alle die mithalfen und sogar Urlaub nahmen oder gar Freunde / Kollegen animierten uns zu unterstützen.

In dieser Filmszene sollten wir als verwegene Mopedgang an einem Haus vorbeifahren und die Straße in eine Wolke aus Zweitaktabgasen hüllen. Alles kein Problem, verwegene Burschen sind wir alle, haben wir schließlich im Kindergarten in ungewaschenen Kies gespielt, Sport fand auf einer Schlackebahn statt, den Mädels haben wir die Zöpfe ohne Typberatung abgeschnitten und gelernt wurde noch mit Feinstaub erzeugender Tafelkreide. Und mal ehrlich, auf ner Straße rumballern, das kann selbst jedes Kind mit nem Laufrad. Aber Huste – Pustekuchen. Wo stand das Haus? In Falkensee an einer Kopfsteinpflasterstraße, die noch aus der Zeit der Römer sein schien.

Der versprochene Zeitrahmen wurde dieses Mal penibel eingehalten aber unsere Maschinen litten. Bei jedem neuen Anlauf rumpelten, klapperten und schüttelten sich die Mopeds immer mehr. Ich kann sagen, Schwälbchen hatte danach nicht nur eine Schraube locker. Manch einer kämpfte gegen die „genitalen“ Schmerzen an oder versuchte auf dem Moped zu bleiben. Es war eine Herausforderung für Mensch und Maschine. Alle waren erleichtert als endlich das Zeichen kam „alles im Kasten“!
Die Pausenversorgung hatte dieses Mal vorgesorgt. Man hatte uns gleich Schnittchen geschmiert und wie für harte Jungs üblich, Fischstäbchen gebraten, die man uns schnell auf den Tisch stellte um sich dann wieder zu verziehen. Man hatte die „Bande“ zu fürchten gelernt. Aber Dank unserer Mädels, wurde das Ganze mit Kuchen und anderen Leckereien aufgewertet. Nachdem wir unsere Vögelchen wieder verladen hatten, fuhren wir satt und zufrieden nach Hause und kümmerten uns gleich um unsere treuen Gefährte(n). Es wurde geputzt, geschmiert, Schrauben festgezogen und abschließend liebevoll mit einem Anti Aging benetzten Microfasertuch ein Pflegefilm über den Lack gezogen.

So schlossen wir den Ausflug in das große Filmgeschäft ab, hatten wir doch gelernt nicht Träumen nachzujagen, sondern das Erreichte schätzen zu lernen.
Ich danke nochmals allen die dieses Unternehmen mit getragen haben!

Gehabt euch wohl

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